Reparaturbericht

Der Oberlerchner Mg 19 Steinadler ist ein von Erwin Musger entworfenes zweisitziges Segelflugzeug das in Österreich gebaut wurde und 1951 zum ersten Mal geflogen wurde.

Die Änderung der Flügelposition (Tiefdecker) wurde hauptsächlich vorgenommen, um die Sicht nach oben von dem Rücksitz zu verbessern

Der Rücksitz ist ein wenig höher als der des Piloten für bessere Sicht nach vorne. Eine Kufe läuft entlang der Rumpfunterseite von der Nase bis unter die Mitte des Flügels. Das Hauptfahrwerk ist ein festes, halb eingelassenes Rad , das mit einer Bremse ausgestattet ist, die von einem gefederten Hecksporn unterstützt wird.

Allgemeine Charakteristiken

  • Besatzung: Zwei
  • Länge: 8,04 m
  • Spannweite: 17,6 m (1,6 ft) 1,65
  • Profil : Göttingen 549 innen, 676 an der Spitze
  • Leergewicht: 298 kg (657 lb)
            • Max Startgewicht: 480 kg (1,058 lb)

Nachdem wir schon mit der einsitzigen Musger (Mg23) super Erfahrungen haben sammeln dürfen, wagen wir uns nun an den Wiederaufbau des Doppelsitzers, der Mg19b.

Wir konnten für kleines Geld die seit langem eingelagerten Reste dieses tollen Segelflugzeugs erwerben und werden auf dieser Seite die Fortschritte dokumentieren.

Nach Mü13e, Olympia Meise, Condor und Siebert Ka6 ist das nun das fünfte grosse Projekt. Wir werden der alten Dame wieder in die Luft helfen.

Wenn ihr uns unterstützen wollt - am einfachsten geht das über eine Fördermitgliedschaft beim VFhS. (75 EUR) Das Formular ladet ihr hier herunter:
https://vfhs.files.wordpress.com/2018/06/vfhs_aufnahmeantrag_neu.pdf

Oder einfach überweisen:

IBAN: DE27 7215 2070 0000 1148 27
BIC: BYLADEM1NEB

Und habt vielen Dank! Das Erhalten unserer Schätze ist nicht billig.

Los geht's...

Zuerst kommen die Ruder dran. Wir haben uns aus logistischen Gründen entschieden diese zuerst zu machen. Sie nehmen einfach weniger Platz weg, während der Spatz noch in der Werkstatt steht.

Das Seitenruder

01.03.2019

Das Seitenrudermoment wird ermittelt. Beim fertigen Ruder wird später nochmals gemessen um etwaige Unterschiede zu dokumentieren.

So haben wie es ermittelt:

M = 0,9515 kg x 96 cm = 91,344 cm/kg = Rudermoment

  • Zwei Anstriche der Holzteile mit Klebelack (Friebe, zugelassen für Ceconite)
  • Das Ceconite wird mit Aceton "durchgerieben"
  • Die Überlappung wird umgeschlagen, ebenfalls mit Aceton durchgerieben und dann mit der Heissluftpistole (240°) eingeschrumpft.
  • Anschliessend wird gebügelt um das Ceconite zu spannen. ("Wolle")
  • 3 Anstriche mit Spannlack dichten das Gewebe schliesslich ab, damit später die Farbe nicht durchsickert.
  • Hier sind wir jetzt erst mal fertig - lackiert wird im Frühjahr/Sommer, wenn es warm ist.

Deshalb machen wir hier erst mal eine Pause - parallel läuft ja die Rumpfüberholung von unserem Spatz.

Das Höhenruder

10.04.2019

Jetzt haben wir Zeit, der Spatz hat Lackierpause - es ist noch zu kalt!

Zuerst kommt die lästigste Arbeit: Der alte Lack muss runter. Schleifen, schleifen....
Bei der Mg 19 gibt es hier eine Besonderheit:
Auch die Höhenruderflosse hat Rippen. Und das Höhenruder ist riesig!

Schaut insgesamt sehr gut aus, nur kleine Beplankungsschäden sind zu richten, der Leim ist fest.

01.08.2019

Auf der Oberseite ist die Beplankung perforiert. Ich habe das Loch auf die Breite eines Rippenfeldes erweitert - so gibt es auf den Rippen eine gute Schäftauflage. Längs des Ausschnitts habe ich Unterleimer "eingebaut". So ist es jetzt richtig fest.

15.08.2019

Es wird bespannt! Als Bespannstoff verwenden wir Ceconite 201.

  • Zwei Anstriche der Holzteile mit Klebelack (Friebe, zugelassen für Ceconite)
  • Das Ceconite wird mit Aceton "durchgerieben" und dann mit der Heissluftpistole (240°) eingeschrumpft.
  • Anschliessend wird gebügelt um das Ceconite zu spannen. ("Wolle")
  • 3 Anstriche mit Spannlack dichten das Gewebe schliesslich ab, damit später die Farbe nicht durchsickert.

· auf dem Bild sieht man bereits die Konturen der späteren Farbschichten, der mittlere Teil wird vorab transparent lackiert.

25.08.2019

Es wird lackiert! In der Mitte transparent, die Holzflächen orange. Lediglich der Übergang zum Ruder wird weiss, damit es nicht so gestreift aussieht

Die Flosse ist fertig und wird erst mal eingelagert

Parallel dazu wurde auch das bereits fertig bespannte Seitenruder lackiert.

Das Ruder wird später noch mit dem Hoheitskennzeichen und unserem VFhS Logo beklebt.

06.09.2019

Wer sich noch erinnert: Vor den Arbeiten haben wir das Rudermoment bestimmt, das geschieht jetzt noch einmal, um eventuelle Unterschiede zu dokumentieren.

Die Formel ist M (Rudermoment) = P (gewogene Last am Randbogen) x r (Tiefe des Ruders)

M= 0,864 x 96 cm = 82,944 cm/kg = Rudermoment neu
Das alte Moment lag bei 91,334 cm/kg.

Der Unterschied ergibt sich aus dem erheblich geringeren Gewicht des neuen Bespannmaterials, dem sparsamen Einsatz von Spannlack und Farbe, sowie natürlich dem Weglassen von Spachtel und Füller. War nicht nötig, weil die Holzteile mitbespannt wurden.

10.9.2019

Nun kommen die Querruder dran. Zuerst das linke...

Wir machen einfach da weiter wo wir mit dem Seitenruder aufgehört haben. Wir ermitteln das Rudermoment. Gar nicht so einfach bei den mächtigen ruder!

Die Formel ist M (Rudermoment) = P (gewogene Last am Randbogen) x r (Tiefe des Ruders)

M= 0,995 x 38 cm = 37,810 cm/kg = Rudermoment vor der Überholung

Jetzt kann die Bespannung runter. Hoffentlich ohne böse Überrraschungen....

11.09.2019

Eine Frage war noch interessant. Nachdem die beiden QR ausgebaut übergeben wurden und auf den ersten Blick identisch aussahen war nicht klar welches ist rechts und welches ist links.
Letztlich liess sich die Frage klären durch die Schränkung des Ruders und die Entwässerungslöcher unten

Deutlich zu sehen die Schränkung zum linken Bildrand nach oben. Somit ist das klar die Oberseite des linken Querruders.


25.09.2019

Die alte Bespannung abzuschälen gestaltete sich als Herausforderung. Verklebt war hervorragend- so fest wie ich es noch nie erlebt habe. Aber der Stoff war auch extrem mürbe. So liess sich nur Fitzel um Fitzel einzeln abziehen, was lange dauerte....

Danach sauber abgeschliffen und wie immer 2 dicke Schichten Klebelack aufgebracht.

Im nächsten Schritt zuerst die Unterseite, dann die Oberseite bespannt. Durchreiben mit Aceton, Falten mit Heissluft spannen, diese Stellen auch durchreiben, Endleiste und Randbogen grosszügig (volle Tiefe der Endleiste) überlappen und nach oben umschlagen und verleimen.
Jetzt alles bügeln (Wolle). Abschliessend 3 Schichten Spannlack unverdünnt aufgetragen. Das Ceconite muss vollständig "ummantelt" sein und auch dicht damit später keine Farbe einsickern kann.

13.10.2019

Das Ruder wird lackiert. Ich mache das jetzt, weil derzeit die Temperaturen noch hoch genug sind, um ohne Heizung arbeiten zu können. (23°C)

Die Rippenfelder werden transparent, der Randbogen und die Endleiste bekommen einen orangen Streifen. Zuerst wird auf Ober und Unterseite in 2 Schichten nass in nass transparenter Irsa Lack aufgespritzt. Abstand etwa 30 Minuten. Abkleben ist nicht erforderlich.
Einen Trockentag später wird das Rippenfeld abgeklebt - eine Schicht weisser Lack wird aufgebracht.
Mit einer weissen Grundierung leuchten die Deckfarben einfach schöner. Kostet alles viel Zeit, aber die haben wir ja auch. Einen weiteren Trockentag später kommt dann die orange Decklackierung drauf.

20.10.2019

Das Ruder ist fertig. Jetzt wird noch das Rudermoment ermittelt und mit vorher verglichen.

Die Formel ist M (Rudermoment) = P (gewogene Last am Randbogen) x r (Tiefe des Ruders)

M= 0,927 x 38 cm = 35,226 cm/kg = Rudermoment nach der Überholung
Also etwas geringer als vorher. ( 37,810 cm/kg )

13.10.2019

Erste Arbeit mit dem rechten Querruder ist auch hier die Ermittlung des Rudermoments.

Die Formel ist M (Rudermoment) = P (gewogene Last am Randbogen) x r (Tiefe des Ruders)

M= 0,975 x 38 cm = 37,050 cm/kg = Rudermoment vor der Überholung
Also etwas geringer als das linke. Bin gespannt wie das bei den fertigen Rudern sein wird.

Jetzt kann die Bespannung runter. Wird wahrscheinlich etwas dauern - der Klebelack ist ja sehr gut!!